Heute vor 50 Jahren – 10.05.1962: Heinz Brandt aus Frankfurt am Main wegen angeblicher Spionage zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Berlin (Ost) gibt bekannt, dass der Ende 1961 bei einem Berlin-Besuch verschwundene Gewerkschaftsredakteur Heinz Brandt aus Frankfurt am Main wegen angeblicher Spionage zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist.
Nach der Niederschlagung des Volksaufstandes verlor Heinz Brandt im Zuge parteiinterner Säuberungen seine Leitungsfunktion in der SED. Die Enthüllungen über die Verbrechen Stalins auf dem XX. Parteitag in Moskau (Februar 1956) und das Schicksal seiner in die Sowjetunion emigrierten und den dortigen Säuberungen zum Opfer gefallenen Geschwister Lilly und Richard beschleunigten seine Abkehr vom Kommunismus. 1958 flüchtete er schließlich mit seiner Familie in den Westen und wurde Redakteur der Gewerkschaftszeitung “Metall”. In der Bundesrepublik unterhielt er auch Kontakte zum “Ostbüro der SPD”. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), das ihn bereits seit längerer Zeit überwacht hatte, lockte ihn im Sommer 1961 nach West-Berlin. Dort ließ sie ihm durch eine junge Frau ein Betäubungsmittel zuführen und entführte ihn anschließend in den Ostteil der Stadt. Nach mehrmonatigen Verhören im Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen verurteilte ihn das Oberste Gericht der DDR 1962 wegen angeblicher “schwerer Spionage in Tateinheit mit staatsgefährdender Propaganda und Hetze im schweren Fall” in einem Geheimprozess zu 13 Jahren Zuchthaus. Fast zwei Jahre lang saß er in der Sonderhaftanstalt Bautzen II, bis eine internationale Solidaritätskampagne, an der sich auch die gerade gegründete Hilfsorganisation für politische Gefangene “Amnesty International” beteiligte, seine Begnadigung erwirkte. Nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik arbeitete er erneut für die Gewerkschaftszeitung „Metall“ und engagierte sich bis zu seinem Tod 1986 in Frankfurt am Main für verfolgte Kritiker in der DDR.

