13.August 1961 – 9.November 1989: Mauerbau und Mauerfall

Die Nacht des 9.November 1989 – Die Nacht, in der die Mauer fiel

25 Jahre Mauerfall – ein Vierteljahrhundert ist es nun schon her, dass die Berliner Mauer fiel. Momente der Nacht vermitteln das unbändige Gefühl der Freude und des Optimismus, mit der Berliner in Ost und West die Nacht zum Tage machen – Die Mauer ist weg!

9.November 1989 – Fall der Berliner Mauer

22:45 Checkpoint Charlie: Grenzer bilden eine Sperrkette. Der Diensthabende notiert: „Die Situation… spitzt sich zu.“ Auf Westberliner Seite stehen rund 3000 Menschen vor den unbewaffneten Soldaten, im Osten mehrere hundert. Vom Kommando keine Weisungen auf die Anrufe des Postenleiters. Er läßt die Tore schließen. Die West-Berliner rufen: „Laßt uns rein!“ Die Ost-Berliner: „Laßt uns raus!“ …

Die neue Reiseregelung

Das Mitglied des SED-Politbüros, Günter Schabowski verliest gegen Ende einer Pressekonferenz am 9. November 1989 eine neue Reiseregelung. Verwirrung stiftet, dass in seiner Ankündigung nur von „ständiger Ausreise“ die Rede ist, also vom „Verlassen der Republik“. Der Text beinhaltet aber auch einen Passus zu Besuchsreisen ins westliche Ausland, die jetzt für alle möglich sein soll.

Sofort, unverzüglich

Darüber hinaus behauptet Schabowski bei dieser Pressekonferenz am 9. November 1989 auf die Nachfrage eines Journalisten, wann denn das neue Reisegesetz der DDR in Kraft treten würde, dass die Regelung „ab sofort“ und „unverzüglich“ gelte: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.“

Die Mauer ist durchlässig, überflüssig

Nur langsam macht sich die Erkenntnis in den Köpfen der versammelten Medienvertreter breit, was diese Aussagen eigentlich bedeuten: Die Mauer ist weg! Hunderttausende Fernsehzuschauer in Ost-Berlin trauten ihren Ohren nicht. Also los, nochmal anziehen – ab zum S-Bahnhof, der bereits so voll wie zum Berufsverkehr war – ungläubige Aufregung und Neugier überall. Die Luft vibriert…

Berliner Mauer Verlauf – November 1989

  1. Wer wiederrechtlich die Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik passiert oder Bestimmungen des zeitweiligen Aufenthalts in der deutschen Demokratischen Republik sowie des Transits der Deutschen demokratischen Republik verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Geldstrafe bestraft.
  2. Ebenso wird bestraft, wer als Bürger der Deutschen Demokratischen Republik rechtswidrig nicht oder nicht fristgerecht in die Deutsche Demokratische Republik zurückkehrt oder staatliche Festlegungen über seinen Auslandsaufenthalt verletzt.
  3. In schweren Fällen wird der Täter mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu acht Jahren bestraft. Ein schwerer Fall liegt insbesondere vor, wenn
    a) Die Tat Leben oder Gesundheit von Menschen gefährdet;
    b) Die Tat unter Mitführung von Waffen oder unter Anwendung gefährlicher Mittel oder Methoden erfolgt;
    c) Die Tat mit besonderer Intensität durchgeführt wird;
    d) Die Tat durch Urkundenfälschung (§240), Falschbeurkundung (§242) oder durch Mißbrauch von urkunden oder unter Ausnutzung eines Verstecks erfolgt;
    e) Die Tat zusammen mit anderen begangen wird;
    f) Der Täter wegen ungesetzlichen Grenzübertritts bereits bestraft ist.
  4. Vorbereitung und Versuch sind strafbar.
Die Berliner Mauer teilte Berlin von 1961 bis 1989. Noch am 15. Juni 1961 hatte Walter Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR, jegliche Pläne für eine Abriegelung West-Berlins bestritten. Nur wenige Wochen später, am 13. August, begannen Arbeiter und bewaffnete Kräfte der DDR, den Zugang zum Westteil der Stadt zu schließen.

Der 13.August 1961 - Eine Mauer teilt Berlin.

13.August 1961. Ost-Berlin ist abgeriegelt. S- und U-Bahn Verkehr unterbrochen.

Die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik war bereits dicht, West-Berlin war das einzige Schlupfloch für DDR-Flüchtlinge geblieben, und die wurden immer mehr. Allein am 12. August 1961 waren es knapp 3200 Menschen. Der Bau der Mauer sollte dem Schwund an Fachkräften ein Ende setzen. Am Anfang war sie mehr ein Provisorium mit vielen Zäunen, unterbrochen durch Wohnhäuser direkt an der Sektorengrenze. Diese wurden geräumt, zugemauert und später ganz abgerissen. Laut einer Statistik der DDR-Grenztruppen vom 31. Dezember 1988 bestanden die Grenzanlagen um West-Berlin aus 103 km Mauer, 70 km Zaun, 27 km Grenzsignal- und Sperrzaun und 111 Beobachtungstürmen. Wie alles begann…

Der 13. August 1961 ist ein Sonntag. In den frühen Morgenstunden errichten Bauarbeiter an den Sektorengrenzen zwischen Ost- und West-Berlin provisorische Absperrungen. Stacheldrahtverhaue werden gezogen. An den Verbindungsstraßen zu West-Berlin wird das Pflaster aufgerissen. Einheiten der Volkspolizei, der Transportpolizei sowie der so genannten Betriebskampfgruppen unterbinden jeglichen Verkehr an den Sektorengrenzen. An der Bernauer Straße bietet sich ein besonders dramatisches Bild. Die Fassaden der Wohnhäuser auf der Ost-Berliner Seite bilden die Grenzlinie, der Gehweg davor gehört bereits zum Westteil. Ganze Familien wagen den Sprung aus den Fenstern. Heute befindet sich hier die Gedenkstätte Berliner Mauer. Hartmut Richter führt Besuchergruppen durch das Areal. Er war damals 13 Jahre alt. Zufällig war er gerade bei einer Cousine zu Besuch und konnte vom Westen Berlins aus verfolgen, wie Soldaten und Grenztruppen an der Bernauer Straße die ersten Absperrungen hochzogen, mit Mauersteinen und Stacheldrahtrollen. „Die Menschen standen fassungslos und mussten zuschauen, auf beiden Seiten“, erinnert sich Richter heute. „Manche waren aufgebracht. Aber was hätte man tun können? Die Soldaten hielten ihre Waffen im Anschlag“.
Stand: 31. Juli 1989

  • Gesamtlänge der Grenze um Westberlin: 155 km
  • Grenze zwischen Ost- und West-Berlin: 43,1 km
  • Grenze zwischen West-Berlin und der DDR: 111,9 km
  • Grenze durch bewohnte Gebiete in Berlin: 37 km
  • Betonelemente der Mauer, Höhe 3,60 m: 106 km
  • Metallgitterzaun: 66,5 km
  • KFZ-Sperrgraben: 105,5 km
  • Kontakt-, Signalzaun: 127,5 km
  • Postenweg, circa 6 bis 7 m breit: 124,3 km
  • Anzahl der Wachtürme: 302
  • Anzahl der Bunker: 20

Quelle: Berliner Mauer Online

Bekanntmachung des Ministerium des Innern der Deutschen Demokratischen Republik, Ost-Berlin, den 12.August 1961

Beschlusses der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik vom 12. August 1961 - Minister des Inneren.

12.08.1961 – Bekanntmachung des Ministeriums des Inneren der Deutschen Demokratischen Republik.

Auf Grund des Beschlusses der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik vom 12. August 1961 erlässt der Minister des Inneren mit sofortiger Wirkung folgende Anweisung:

  1. Im Straßenverkehr für Kraftfahrzeuge und andere Fahrzeuge sowie Fußgänger zwischen Westberlin und dem demokratischen Berlin bleiben folgende Übergänge geöffnet: Kopenhagener Straße, Heinrich-Heine-Straße, Wollankstraße, Oberbaumbrücke, Bornholmer Straße, Puschkin-Allee, Brunnenstraße, Elsenstraße, Chausseestraße, Sonnenallee, Brandenburger Tor, Rudower Straße, Friedrichstraße
  2. Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, einschließlich der Bürger der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik (des demokratischen Berlin) benötigen für den Besuch von Westberlin eine Genehmigung ihres zuständigen Volkspolizei-Kreisamtes bzw. ihrer zuständigen Volkspolizei-Inspektion. Über die Ausgabe solcher Genehmigungen erfolgt eine besondere Bekanntmachung.
  3. Friedliche Bürger von Westberlin können unter Vorlage ihres Westberliner Personalausweises die Übergangsstellen zum demokratischen Berlin passieren.
  4. Einwohner Westdeutschlands erhalten an den vier Ausgabestellen Wollankstraße, Brandenburger Tor, Elsenstraße, Bahnhof Friedrichstraße unter Vorlage ihrer Personaldokumente (Personalausweis oder Reisepaß) wie bisher Tages -Aufenthaltsgenehmigungen für den Besuch der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik (das demokratische Berlin).
  5. Für ausländische Staatsangehörige gelten die bisherigen Bestimmungen. Für Angehörige des Diplomatischen Korps und der westlichen Besatzungskräfte bleibt es bei der bisher bestehenden Ordnung.
  6. Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, die nicht in Berlin arbeiten, werden gebeten, bis auf weiteres von Reisen nach Berlin Abstand zu nehmen. Berlin, den 12. August 1961 Maron, Minister des Innern

Memory of the World

Die UNESCO hat auf Empfehlung des Internationalen Komitees „Memory of the World“ den Zwei-Plus-Vier-Vertrag von 1990 sowie 14 Dokumente zur Berliner Mauer in das Register des Welt-Dokumenten-Erbes aufgenommen. Darunter befindet sich als einzigstes Schriftstück auch „Schabowskis Zettel“.

Die anderen 13 Dokumente sind Originalfilmaufnahmen – beispielsweise von den Pressekonferenzen mit Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 und mit Günter Schabowski am 9. November 1989. Außerdem die Reden der US-Präsidenten John F. Kennedy 1963 und Ronald Reagan 1987 in Westberlin sowie TV-Aufnahmen vom Mauerfall an der Bornholmer Straße in der Nacht des 9. November 1989. Aber auch Bilddokumente sind enthalten, wie beispielsweise das Foto des flüchtenden DDR-Grenzpolizisten Conrad Schumann und das Bild des 1962 an der Mauer sterbenden Flüchtlings Peter Fechter. Ausgewählt wurden alle Zeitdokumente aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und weltweiten Bedeutung.

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